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Prozessontologie als globaler Normalfall

Anmerkungen zum Projekt „Handbuch Prozessontologie“

Ein Beitrag von Erwin G. Ott vom 10. Februar 2026

Der Essay stellt das Projekt eines Handbuchs der Prozessontologie vor und verbindet systematische Ontologie, Theoriegeschichte und Gegenwartsdiagnose. Ausgangspunkt ist die These, dass Prozessontologie im westlichen Denken seit Nietzsche, Deleuze/Guattari und dem New Materialism ein etablierter Horizont ist, global betrachtet jedoch den ontologischen Normalfall darstellt. Die europäische Substanzphilosophie erscheint in dieser Perspektive als historischer Sonderfall.

Der Text entfaltet Prozessontologie als transkulturelle Konvergenz: Buddhistische, daoistische, afrikanische und indigene Ontologien operieren seit jeher mit Begriffen von Werden, Relation und Zeitlichkeit, ohne Substanzbegriffe vorauszusetzen. Prozessontologie wird hier nicht als einheitliche Theorie, sondern als global geteilte Denkform sichtbar.

Vor diesem Hintergrund präsentiert der Essay das geplante Handbuch als kartographisches Projekt. Es ordnet genealogische Linien, systematische Achsen und transkulturelle Perspektiven eines bereits wirksamen ontologischen Paradigmas. Ein eigener Abschnitt reflektiert die Entstehung des Handbuchs in Zusammenarbeit mit KI: nicht als technisches Experiment, sondern als ontologische Konsequenz eines Denkens, das Autorschaft, Materialität und Begriffsbildung selbst als Prozesse versteht.