Die Ontologie des Aufbruchs

Ernst Bloch und die Rückeroberung der Zukunft im Zeitalter der planetaren Erschöpfung

Ein Beitrag von Erwin G. Ott vom 11. Januar 2026

Der vorliegende Essay unternimmt eine systematische Reaktualisierung der Philosophie Ernst Blochs angesichts der spätmodernen Krise der Zukunft. In einer Ära, die durch „kapitalistischen Realismus“ und technokratischen Fatalismus gekennzeichnet ist, erscheint Blochs „Prinzip Hoffnung“ nicht als sentimentale Geste, sondern als notwendiges ontologisches Korrektiv. Die Untersuchung analysiert die Architektur des Noch-Nicht als eine Real-Kategorie des Seienden und konfrontiert diese mit den Phänomenen der algorithmischen Vorhersagbarkeit und der ökologischen Erschöpfung. Ziel ist es, Blochs „aufrechten Gang“ als eine praxisorientierte Antwort auf die drohende Alternativlosigkeit der Gegenwart zu rehabilitieren und die Utopie als konkrete Arbeit an den Tendenzen und Latenzen der Materie zu begründen. Dabei wird mit Bloch die Utopie nicht als eskapistische Träumerei, sondern als präzises Instrument einer prozesshaften Ontologie verstanden, die den Menschen als Mitgestalter einer unfertigen Welt begreift. Hoffnung ist für Bloch eine erkenntnistheoretische Pflicht, um die verkrusteten Strukturen einer erstarrten Gegenwart aufzubrechen und den Raum des Möglichen jenseits der bloßen Datenextraktion neu zu vermessen. Es geht um die Verteidigung der Geschichte als eines offenen Entscheidungsprozesses gegen ihre drohende Stillstellung im Medium der totalen Verwaltung und digitalen Determination.